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International
Von Somalia nach Deutschland...

Gerade eben ist mir was unglaubliches passiert: Um ca. zehn Uhr will ich von der DLB in Augsburg mit dem Zug heim nach München fahren. Die DLB war gut und ausnamsweiße hab ich sogar den Zug erwischt, ohne ewig warten zu müssen. Als Abschluss hatten wir uns noch ne Weghalbe mitgenommmen. Auf einmal spricht mich ein farbiger Jugendlicher an und fragt mich auf Englisch, wo man denn hier ein Bier kaufen kann.

Ich versuchte ihm dann klarzumachen, dass die Läden wahrscheinlich schon zu haben und außerdem fuhr gerade der Zug ein. Also stiegen wir ein und kamen ins Reden.

Der Kerl hieß Harun war 19 und kam aus Somalia und damit fing das ganze Problem an. Natürlich weiß ich nicht, ob alles was er gesagt hat stimmt, aber ich glaube ihm. Und so hat er angefangen, seine Geschichte zu erzählen:

Somalia ist ein Staat im Osten von Afrika und wie vlt. einige von euch mitbekommen haben, gibt es in Somalia inzwischen seit 1991 einen Bürgerkrieg. Es gibt zwar eine international anerkannte Regierung, aber die kontrolliert nur einen Teil des Landes. Im Rest herrschen lokale Clans. 2009 gab es in Somalia ca. 1,3 Millionen vertriebene, 3.5 Millionen waren auf humanitäre Hilfe angewisen. Immer wieder kommt es zu Konflikten mit vielen zivilen Toten. (Wer sich genauer interessiert kann hier einiges nachlesen http://de.wikipedia.org/wiki/Somalischer_B%C3%BCrgerkrieg).

Vor ca. 3 Monaten war Harun noch in Somalia, seine Mutter ist anscheinend schon seit langer Zeit tot, sein Bruder schon seit einigen Jahren nach München geflohen. Zwei Tage bevor er schließlich geflüchtet ist, wurde seine Schwester umgebracht und viele seiner Freunde wurden anscheinend von muslimischen Dschihadisten gewzungen für ihre Truppen zu kämpfen. Ich weiß das klingt wahnsinnig dramatisch, aber er hat es mir wirklich so erzählt und ihm war das Grauen auch ganz erhlich noch ins Gesicht geschrieben.

Sein Vater hat anscheinend nach dem Tod seiner Schwester zu ihm gesagt er soll mit einem fremden Mann mitgehen, der bringt ihn nach Amerika. Harun war ca. 30 Tage unterwegs und kam schließlich im Gefängnis in München an, wo er auch noch 3 Wochen verbrachte und schließlich mit einer vorläufigen Duldung nach Augsburg reißte.

Duldung beudeutet: Er darf Augsburg nicht verlassen, bekommt 40€!!! Taschengeld im Monat und DARF nicht arbeiten. Der Typ hat wörtlich zu mir gesagt, er würde wahnsinnig gerne Arbeiten und wenn es irgendwo Klohputzen ist, aber er darf nicht. Achja und im nächsten Satz hat er gemeint, aber er darf sich nicht beklagen, hier ist alles viel besser als noch in Somalia. 

Wie gesagt, wir waren im Zug nach München, er sprach sogut wie kein Deutsch und natürlich kam dann auch die Schaffnerin. Harun hatte keine Ticket dabei und (soweit ich das gesehen habe) auch nur zehn Euro, was zu wenig ist. Mit viel Gerede konnten wir die Schaffnerin dann dazu überreden, dass wir noch ein Ticket kaufen und sie den Vorfall nicht meldet. Zum Abschluss sagte sie noch zu mir, ich soll ihm ganz klar machen, dass er da sehr vorsichtig sein muss: Dreimal irgend so ne Kleinigkeit und er ist zurück in Somalia.
Den Teil hat er anscheinend irgendwie verstanden und er hat mich mit Schweißperlen auf der Stirn gefragt, wo nach Somalia sie ihn zurückschicken...

Naja, Harun ist jetzt bei seinem Bruder und muss morgen wieder nach Augsburg zurück, da er ja eigentlich nicht in München sein darf. Ich hoff er bekommt irgendwann eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Staatsbürgerschaft. Der Deutsche Staat, eines der reichsten Länder der Welt, zahlt einem somalischen Flüchtling 40€ im Monat und es gibt keinerlei Sicherheit für ihn. Möglich, dass er morgen abgeschoben wird und laut seinen eigenen Worten, reicht es in den muslimischen Gebieten ein Bier zu trinken, um den nächsten Tag nicht zu überleben. Ich finde dieses Vorgehen absolut menschenverachtend und versuch natürlich ihm so weit es geht zu helfen. Aus einem CAJ-Projekt des Praktiekrs Weltnahrr auf Bundesebene hab ich aber gehört, dass manche Asylsuchende jahrelang gedultet werden und währenddessen nicht legal arbeiten und reisen dürfen. Sorry, aber ich bewundere jeden, der in dieser Situation nicht anfängt zu klauen oder sonst auf die kriminelle Schine kommt. Kein Geld, keine Sprache, keine Arbeit, keine Reisefreieit, keine Familie, Bekannten oder Freunde, ...

Kommentare
Carsten  - Flüchtling Soli Demo   |29.04.2010 23:09:43
Um weiter Druck auf die rassistische Asylpolitik, insbesondere im bayrischen
Parlament auszuüben, findet am 04. Mai in München eine überregionale
Demonstration MIT den Flüchtlingen statt.

Speziell die Augsburger Flüchtlinge
werden sich auch an der 1. Mai Demo des DGB in Augsburg beteiligen.

Ein guter
Grund den See für ein paar Stunden gegen die Straße einzutauschen...
kaspurlu  - Demo   |29.04.2010 23:59:51
Klingt - gut hier gibts mehr Infos
dazu.

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/start. html

Gehst du hin Carsten?
Kann mir vorstellen, dass der Magic bestimmt au dabei is!
jo  - CAJ Film über Flüchtlingsproblematik   |30.04.2010 10:26:38
http://www.bodvd.info/c/caj.html
kaspurlu   |05.05.2010 09:01:36
Demo war echt gut. Besonders faszinierend, hab ich irgendwo so nen Rentner am
Rand vom marienplatz gefunden: Der gemeint hat "die sollen orbeiten, dann is
alles ok"
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geschrieben von Manu am 29.04.10
 
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